Wasser

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Theoretische Einführung
 
Jede Landschaft hat ihre eigene Stimmung,  ihren eigenen Charakter.
Sanfte Hügel, mit Wiesen bewachsen. Dichte und ausgedehnte Wälder - plätschernde Bäche oder dahinziehende Flüsse.In Deutschland eine zu weiten Teilen katholische Landschaft. Durchquert man Beispielsweise den katholisch geprägten Schwarzwald trifft man auch in entlegensten Orten auf Kapellchen die zwar katholischen Heiligen geweiht sind, doch oftmals von einer Sage umwoben sind. Landläufig ist oft von Quellen die Rede, die in der Nähe oder direkt unter Kirchen liegen. Ihnen wird nachgesagt sie besäßen heilende oder fruchtbarmachende Kräfte. Oft  wird auch von drei Schwestern berichtet die Kirchen nahe von Wasservorkommnissen gestiftet haben sollen und im Besitz magischer Kräfte gewesen seien. Immer wieder ranken sich sehr ähnliche oder auch gleiche Mythen und Fabeln um die Grundsteinlegungen von Kirchen. In der Umgebung vorkommendes Wasser scheint ein fester Bestandteil dieser Erzählungen sein. Vor allem in den katholischen Gebieten Nord- und Mitteleuropas. Unterhalb dieser ersten Geschichtenlandschaft verbirgt sich offenbar noch eine zweite Bedeutungsebene die durch die Sagen um christliche Kirchen auch heute noch zum Vorschein kommt. Zweifelsfrei geht diese zweite, tiefer liegende Ebene auf die heidnische Religion zurück, die sich für jahrtausende in die lokalen Landschaften einbettete. Kirchen und Jungfernweihen, vor allem an Quellen, sind häufig begehbare Überschneidungspunkte an denen sich Heidentum und Christentum überlagern. Dass diese Orte “einfach” christlich verstanden werden ist Resultat der strategischen Missionierung einer Landschaft die noch weit ältere Geschichten zu erzählen hat als die die wir volkstümlich kennen. 
Ursprünglich heidnische Bräuche, ihre Datierungen im Jahresverlauf, magische Orte wie Quellen und Ritualplätze wurden gezielt mit während der Missionierung mit christlicher Symbolik und inhaltlicher Umdeutung neu besetzt. Das tief verwurzelte heidnische Glaubenssystem ließ sich jedoch letztendlich nicht vollständig durch diese Strategie der Missionare und jenseitigen christlichen Machthaber im weit entfernten Rom vollständig ersetzen.
Den völlig andersartigen Monotheismus kannte man zuvor im polytheistischen Heidentum nicht und entgegnete ihm mit entsprechendem Argwohn. Auch ehemals heidnische Christen hielten über jahrhunderte an ihren alten Göttern fest. Der heidnische Polytheismus wandte sich zur unmittelbar umliegenden Natur hin. Die Lebensgrundlage und Heimat für die Bevölkerung. – Wälder und Flüsse Europas –  
Lebensraum und Werk der Götter, die über diesen herrschten und damit auch über ihr Schicksal entschieden oder Kräfte an die Menschen verliehen. Dementsprechend bestand eine starke Abhängigkeit durch die man sich, parallel zum schon angenommenen christlichen Gott, weiterhin der Natur und den darin verorteten Göttern zuwandt.
Gegensätzlich zum Christentum – Ein einziger Gott der nicht in der Natur, sondern im Glauben einer Erlösung vom irdischen Leid zu finden ist. Losgelöst der natürlichen Existenzgrundlage der ,damals stark auf Landwirtschaft angewiesenen, Menschen und wesentlich abstrakter zu verstehen. Es musste vielen Heiden als ein Irren vorgekommen sein, Schicksal und körperliches Wohlergehen einer geistlichen Idee anzuvertrauen.
 

Entwurfsbeschreibung



Grundkonzept der Ausstellungsgestaltung ist die geografische Zuordung von christlichen und heidnischen Orten in der Landschaft dabei ebenfalls bestehende Überschneidungen.

Der sechzig mal sechsig Meter große Wasserspeicher, in dem sich ein Säulenwald von neun Metern hohen Säulen befindet, wird als typische Landschaft Mitteleuropas zur damaligen Zeit der Missionierung interpretiert. Diese wird zu einer inhaltlichen Landschaft die sich in christliche und heidnische Bereiche aufteilt.
Bei Betreten der Ausstellung befindet sich der Besucher zuerst in einer inmitten des Säulenwaldes liegenden Kirche wieder. Diese ist durch 4 Meter hohe, weiß lackierte Quadratleisten angedeutet, die den typisch länglichen Grundriss einer Kirche nachzeichnen und je 60 Zentimeter Abstand zueinander einhalten. Die horizontale Ausrichtung der Stäbe deutet die zum Himmel aufwärts, von der Erde wegblickend, ausgerichtete Haltung des christlichen Glaubens an. Der lineare Abstand der Leisten ist Symbol für die Linearität und Kontrolle kirchlicher Strukturen zu einem festen, eindeutigen Glaubensgebäude. Welches sich jedoch nicht völlig der Umwelt verschließen konnte und durchdringbar war. Heidnischer Glauben durchdrang auch die Kirchenmauern frühzeitlicher Basiliken und ist auch heute noch im landeskirchlichen Kontext, insbesondere im katholischem, zu sehen. Die die Kirche einfassende Umwelt ist auch hier durch im Säulenwald liegende Stationen zu sehen und schafft nicht ganz scharf voneinander abgegrenzte Räume.
Außerhalb der Kirche liegende Stationen, die natürliche Wasservorkommnisse wie Flüsse, Wasserfälle, Moore, Seen und Quellen darstellen, werden in der baulichen Struktur der Kirche durch sechs der Länge nach angeordnete, sinnbildlich wiederspiegelnde Kirchenfenster aufgegriffen. Das Kirchenfenster transformiert heidnische Geschichten zu vermeintlich eigenen Inhalten um ihnen Platz unter einem der drei Kreuzgewölben in der schematisch dargestellten Kirche einzuräumen. Da kirchliche Erzählungen auch heute noch für uns große Dimensionen für die Deutung der Geschichte einnehmen ist der kirchliche Raum innerhalb der Ausstellung durch Maße von 32 Metern Länge und einer Maximalhöhe von sieben Metern Höhe analog sehr groß.
Die Flucht der Kirche richtet sich auf den am anderen Ende der Kirche liegenden Altar aus. Dieser ist durch das abstrakte Symbol des Kreuzes vor einer halbverspiegelten Wand dargestellt. Besucher werden in der rückwärtigen Spiegelung des Kirchenbaus zu Protagonisten der Kirche. Die Gemeinschaft der Kirche, als ursprünglicher Gedanke der Kirche wird lebendig.
Auf der Rückseite des Altars sind die gleichen Personen durch das halbtransparente Spiegelglas hindurch hinter einer Scherenschnitt ähnlichen Maske zu sehen. Der Scherenschitt zeigt die Szene einer Umtaufung von Heiden durch Bonifazius, einem bedeutenden Missionar zu dieser Zeit und fügt die Besucher diesem Motiv hinzu.
 
Die Taufe der Kirche, aber auch der Heiden fügt sich mit gleicher Höhe als eigenständiger Raum der Kirche an. 4 Meter hohe, halbtransparente Vorhänge umschließen den zentralsten Punkt Raum der Ausstellung. Vorhänge die in die gleiche Richtung wie die Kirche zeigen sind mit horizontal ausgerichtete christlichen Namen in lateinischer Schrift mithilfe eines Beamers angeleuchtet. Die Raumseiten zur Linken und Rechten sind mit vertikal bewegten heidnischen Namensrunen besetzt. Befinden sich Besucher nahe genug den Vorhängen, werden ihnen durch die Projektion auf den Körper christliche oder heidnische Namen zugeschrieben. Die so zugeschriebene Identität ist für die Besucher Initiierung und Entscheidung für anschließend zu betretene Räume zugleich. – Der Exkurs, in dem weitere Beispiele der Geschichte von Vermischung verschiedenster Religionen mit dem Christentum Thema ist oder auch der Rückwärtige Weg zurück in die Kirche.
Links und rechts abgehend gelangt man in das Langhaus der Heiden. Der auch für die Kirche der zugrunde liegende Prototyp dieser Zeit ist.
Konträr zu der in die Höhe strebende Kirche bewegt sich das Langhaus in die der Landschaft gleichenden Horizontalen. Quadratische Rohholzleisten formen den typischen Querschnitt eines Hauses durch Wand und Dach ab. Die 30 Meter lange und 7 Meter breite Formation öffnet sich durch unregelmäßige Unterbrechungen der umgebenden Landschaft.
Die von der Taufe links abgehende Seite erleutert den sozialen und machtpolitischen Aspekt des Langhauses. Analog zum authentischen Langhaus, dem eine Kammer für Ritualgegenstände angehangen war, befindet sich im rechten Teil eine Sammlung von Ritualgegenständen hanhand derer auf Religiöse Riten und Bräuche der Heiden eingegangen wird.
Folgt man auf der rechten Seite jedoch nicht weiter dem Langhaus gelangt man zunächst zur Weiterführung der Heidnischen Taufe. Da in der eidnischen Religion geglaubt wurde, dass die Seele eines Menschen durch Regentropfen aus dem Himmelsreich in den Körper gelangten sind hier auf dem Boden liegende, kreisrunde Flächen mit Wassertexturen projeziert, die Pfützen dasrstellen. Die selben Runen, wie sie schon in der Taufe zu sehen waren bewegen sich in gleicher Weise auf Gaze-Stoff vertikal dem Boden zu. Bei näherem Herantreten wird das Wasserbild zu einem Portrait eines/r Heiden/in. Sie erzählen aus der Ich-Perspektive heraus den Mythos der Leben einhauchenden Wassertropfen. Entstehung der katholischen Kindestaufe, persönlich Erlebte Gechichten von Taufereignissen während der Christianisierung oder auch die weit bekannte Sage um Frau Holle werden hier von unterschiedlichen Personen,aus unterschiedlichen Pfützen heraus erzählt.
Weiter in den Säulenwald hinein folgend, trifft man auf verschiedene Formen natürlicher Wasservorkommen, die wichtige Spirituelle Bedeutung für die Heiden aufwiesen. Beispielsweise  verteilen sich so der Fluss, der Wasserfall, das Moor, die Gebirgsquelle, sowie der ebenfalls in diesem Kontext aufzugreifende Rosengarten und der Lebensbaum Yggdrasil (beide nicht in der Arbeit enthalten) in der so inszenierten Landschaft. Allen Inszenierungen ist eine Abstraktion ihrer natürlichen Form gleich. Grundstrukturen und -charakteristiken der natürlichen Erscheinung werden beibehalten gezeigt. Zum Beipsiel mäandert der Laufweg des Flusses, das Bild eines Wasserfalls wird durch voreinander, vertikal versetzte Glasscheiben erweckt hinter denen ein kleiner Raum liegt. Ähnlich verteckten Höhlräumen hinter echten Wasserfällen. Das Moor wird durch einen Gittersteg vermittelt der über weichen Filzteppich hinweg führt. Fluoriszierend leuchtende, Kugellautsprecher über dem Teppich ahmen Irrlichter und/oder Glühwürmchen nach.
Alle Wasserstationen erzählen die gleiche Geschichte aus den zwei sich unterscheidenden Perspektiven. Die kirchliche Erzählung der Geschichte wird ausschließlich durch Text- und Bildebene auf Infomationswänden wiedergegeben. Die heidnische Erzählung verschwimmt mit der Inszenierung. Texte die auf Wasserstrukturen überdruckt sind, Nieschen die sich in den Felsen der Gebirgsquelle einfügen oder auch die Kugellautsprecher im Moor werden teil der Natur und erzählen aus ihr heraus.