Spielfeld Marzahn

Spielfeld Marzahn
Spielfeld Marzahn
Spielfeld Marzahn
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Spielfeld Marzahn
Spielfeld Marzahn
Wenn man von den Aussichtspunkten Skywalk oder Wolkenhain auf den Zwischenraum blickt, hat man den Anblick einer gewöhnlichen großen Wohnsiedlung mit Grünflächen. Was im einzelnen passiert, wie die öffentliche oder kulturelle Seite des Gebiets aussieht, kann man nicht erkennen. Wird es dunkel, mischt sich die Architektur mit den Lichtern - Wohnungen, Straßenbeleuchtung, Autos - eine zusätzliche Wahrnehmungsebene tritt hinzu. Aber nichts, was direkt auf eine soziale Interaktion hindeuten würde. Ein schönes Spiel zufälliger Lichteffekte.
 
Eine Möglichkeit, diesen “unbestimmten” Raum zu nutzen und ihn mit dem sozialen Raum von Marzahn in Verbindung zu bringen, wäre es, ihn in ein Spielfeld zu verwandeln. Elemente aus einem Spiel erscheinen unvermittelt in einem spielfremden Kontext. Lichter, die zu Spielsteinen werden, bewegt auf einem immateriellen Spielbrett, das über den Dächern schwebt.
 
Das an eine Straßengeometrie erinnernde Spielfeld ist einfach, ebenso wie das Spiel selbst: Mühle. Es ist eines der ältesten Spiele der Menschheit und in der ganzen Welt bekannt. Mühle ist überschaubar, folgt einfachen Regeln und ist in seinen Spielmöglichkeiten begrenzt, trotzdem erfordert es Intelligenz und Kreativität und bietet eine Vielzahl möglicher Spielzüge. Es ist strategisch, man kann es spontan spielen und muss trotzdem nachdenken. Die gegeneinander antretenden Spieler stehen auf dem Skywalk und auf dem Wolkenhain, von wo aus sie ihre leuchtenden Steine steuern, die sich in einiger Entfernung über Marzahn hin- und herbewegen.
 
Die Verlagerung des normalerweise in Innenräumen gespielten Spiels in einen kollektiven Außenraum knüpft - auf einer technisch einfachen Ebene - an die heutige Online Gaming-Kultur an und führt sie in den realen Raum zurück. Dass hierbei ein so “altmodisches” Spiel wie Mühle zum Einsatz kommt, hat eine gewisse Ironie, technisch-praktische Gründe, vor allem aber stellt sich erst durch seine Klarheit und Einfachheit die Spannung zwischen realem Außenraum und virtuellem Raum des Spiels her, um die es hier geht.
 
Tatsächlich wird zur Einrichtung des Spielfelds nicht auf bereits vorhandene Leuchtkörper in Marzahn zurückgegriffen, sondern eine eigene Lichtinstallation geschaffen. Über dem mit 5-stöckigen Gebäuden bebauten Wohnareal zwischen … str. und … str. bilden Laserstrahlen in einer Höhe von 30 Metern das bekannte Mühle-Spielfeld. An den 24 Punkten des Spielfelds befinden sich Ballons von 10 Metern Durchmesser, die je nach Spieler rot oder blau bzw. - wenn der Punkt nicht besetzt ist - weiß leuchten. 
 
Spielfeld Marzahn verschiebt das soziale Leben der Bewohner auf einer spielerischen Ebene in die öffentliche Wahrnehmung. Für den Ort bedeutet das eine veränderte, umgedrehte Selbstwahrnehmung. Was normalerweise im Kleinen und Privaten stattfindet, wird zu einem Ereignis, das den homogenen und relativ ereignislosen Außenraum ein eine neue Perspektive bringt. Dabei löst das Spiel die Beziehungen der Teilnehmer aus der Zweckhaftigkeit des Alltags heraus und stellt unter ihnen eine Nähe her, ohne dass man persönliche Details austauschen muss. In diesem Fall sogar, ohne dass man sich direkt begegnen muss.