Prisma

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Als „Tensegrity“-Systeme bezeichnet man Tragwerke, die aus Zugseilen und Druckstäben gebildet werden. Der Begriff geht auf den Architekten Buckminster Fuller zurück und verbindet die zwei Begriffe „tension“ und „integrity“ – das System gewinnt seine strukturelle Integrität durch Zugspannung. Dabei können die Druckstäbe frei im Raum angeordnet werden und müssen keine direkte Verbindung untereinander haben. Sowohl optisch als auch physisch leicht, besitzen solche Konstruktionen gleichzeitig eine hohe Stabilität. Die Grundform ist das Dreistabmodul, bestehend aus drei Stäben und neun Seilen. Die Seile bilden jeweils ein dreieckiges Basispolygon als Grund- und als Deckfläche. Durch die Verdrehung der Druckelemente, was als Twistlage oder „Twist Units“ bezeichnet wird, entsteht ein prismatischer Körper.

Im normalen Städtebau sind Tensegrity-Systeme selten zu finden, ihr Potential liegt eher in leichten oder mobilen Architekturen (z.B. Zelten oder mit Folien oder Textilien bespannten, schwebenden Dachkonstruktionen). Dabei besitzen sie einen zugleich skulpturalen und naturhaften Charakter – tatsächlich findet sich ihr materialeffizientes Bauprinzip auch in der Natur wieder.

 
Städte werden von Menschen geschaffen, um einen schützenden Gegenraum zur Natur herzustellen und Marzahn als am Reißbrett geplante, geometrisch aufgebaute Massensiedlung bietet hierfür ein radikales Beispiel. Natur kommt zwar noch vor, aber entweder in Form integrierter Wiesen oder Gärten oder als Element unbeachteter Zwischenräume. Auch die benachbarten Gärten der Welt und die IGA sind Beispiele einer geplanten, urbanisierten Natur. Die Wildnis liegt weiter draußen. Der Kienberg, bislang vielleicht das einzige etwas urwüchsigere Landschaftselement der Umgebung, ist nun eingezäunt und zum gestalteten Raum geworden. Prisma ist ein Tensegrity-System, das sich wie ein fremdartiger Zwitter/Alien auf einer Grünfläche zwischen zwei Hochhäusern in Marzahn festgesetzt hat. Die Konstruktion überdeckt eine Grundfläche von etwa 75 qm und hat eine Höhe von 10 m. Ihr auffälligstes Element sind große, paarweise angeordnete trigonale Spiegelflächen, die sich, gesteuert von Wind und Tageslicht, innerhalb eines Bereichs von 180° um die 16 m langen Druckstäbe bewegen.
 
Durch die wandernden Spiegelungen werden die räumlichen Aufteilungen zwischen der Architektur und den sie umgebenden Pflanzen und Grünflächen aufgehoben. Schaut man von unten, wird der Blick auf die Häuser vom herabgespiegelten Rasen durchbrochen, der wieder in die Fassade oder den Himmel übergeht, während die Bewohner des Hochhauses abwechselnd den von unten hochgespiegelten Himmel, ihr eigenes Gebäude oder den Horizontalblick auf der Bodenebene sehen. Diese „dekonstruktive“ Optik wird wiederum dadurch verstärkt, dass die Spiegel schräg aufgehängt sind und die durch sie reflektierten Objekte gekippt erscheinen. Natürliche und bauliche Elemente treten so in eine neue Beziehung, Organisches, Lebendiges und Geplantes, Künstliches gehen ineinander über, die festen Grenzen des Raums lösen sich auf.

Prisma versetzt mit den fließenden Bewegungen der die feste Raumordnung auflösenden Spiegelungen seine Umgebung in einen eigenartigen Spannungszustand. Unter dem Objekt liegend, kann diese “lebendige” Bewegung wie ein meditatives Wahrnehmungsspiel erlebt werden. Der erzeugte Blickwechsel kann durch die Reflexionen eines gemeinsamen Umfelds aber auch neue Formen des sozialen Austauschs stimulieren. Ein neuer Erlebnis- und Erholungsraum mitten in Marzahn entsteht.