PrismDer virtuelle Spiegelraum

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Das Internet schafft zwar die Möglichkeit zum unbegrenzten Dialog, hat aber auch eine isolierende Wirkung auf uns, sowohl im privaten als auch im öffentlichen Raum. Während wir, einer enormen Informations- und Reizüberflutung ausgesetzt, in eine irreale Welt eintauchen, entgleitet uns unser unmittelbares Umfeld. Ein Kontrollverlust über unserer Wahrnehmungen und sozialen Beziehungen findet statt, verkörpert z.B. in der Like-Funktion von Facebook, Instagram und Co. als Ausdruck einer Kultur des Narzissmus.
 
Auf der anderen Seite verleiten die technischen Möglichkeiten staatliche Organisationen wie NSA und privatwirtschaftliche wie Google zur umfassenden Auswertung persönlicher Daten, was nichts anderes als den Verlust der Privatsphäre bedeutet. Eigentlich ist diese Art der Überwachung als illegale Spionage zu werten, aber in der Regel hat der Nutzer wenig Möglichkeiten sich zu schützen und nimmt es in vielen Fällen sogar mehr oder weniger bewusst hin. Hat er einmal den virtuellen Raum betreten und digitale Spuren hinterlassen, können diese immer weiter verfolgt und gespeichert werden.
 
Prism schafft einen Raum, in dem der Einfluss der digitalen Spiegel- und Beobachtungswelt auf unsere persönliche Wahrnehmung und unser Verhalten unmittelbar sichtbar und erfahrbar gemacht wird. Es beschränkt sich dabei auf den Einsatz rein analoger optischer und konstruktiver Mittel.
 
Der Grundriss eines septagonalen Raums ist in drei ineinander verschachtelte Bereiche eingeteilt, die sich durch ihre unterschiedlichen optischen Eigenschaften und daraus ergebenden verschiedenen Grade der Sichtbarkeit unterscheiden.
 
Erster Bereich: Trianguläres Prisma
Der Besucher ist hell beleuchtet und sieht sein Abbild kaleidoskopartig durch die triangulär angeordneten Spiegel vervielfacht. Wie bei einem Selfie nimmt er nur sich selbst wahr und glaubt dabei allein zu sein. Sein Ich wird zum Mittelpunkt des Geschehens, eine andere Realität scheint nicht zu existieren. Die optischen Effekte verführen ihn zu allerlei narzisstischer Gestik und Mimik. Bereitwillig zeigt er sich von einer Seite, die sonst niemand sehen würde.
 
Zweiter Bereich: Antiprismatisches Pentagon
Beim Übergang in den nächsten, etwas dunkleren Bereich, stellt der Besucher fest, dass der verspiegelte erste Raum von außen beobachtet werden kann. Vorher noch Betrachteter wird er nun selbst zum Beobachter, und es beschleicht ihn nachträglich ein Unbehagen ob seines unbesonnenen narzisstischen Verhaltens. Andererseits genießt er aber auch die Beobachterposition und sein Wissen über das Verhalten der Anderen, wie man es analog auch in den sozialen Netzwerken erlebt.
 
Dritter Bereich: Antiprismatisches Septagon
In diesem Bereich herrscht der absolute Durchblick. Die totale Verdunkelung ermöglicht nicht nur den Blick auf den Einzelnen, der sich zuerst unbeobachtet glaubte, auch die Beobachter und Datensammler der zweiten Bereichs sind zu sehen, wie sie sich über die Naivität der Narzissten freuen. Die Dunkelheit dieses Bereichs repräsentiert die Undurchsichtigkeit und Ungreifbarkeit der Mechanismen hinter dem digitalen Kommunikationsraum. Die Mächte, die sich in den vernetzten Maschinen und ihren Algorithmen konzentrieren und der Kontrolle derN menschlichen Akteure längst entzogen sind.
 
Das Projekt stellt mit optischen Mittel dar, wie der digitale Raum unsere Wahrnehmung und unser Verhalten manipuliert und überwacht. Wir können alles beobachten, was die anderen tun, und alles was wir tun ist für die anderen sichtbar. “Bestrahlt und ausgeleuchtet im Schein totaler Transparenz” (Miriam Meckel), wird die eigene Position unendlich gespiegelt und relativiert. ”Wir wissen, wo du bist. Wir wissen, wo du warst. Wir wissen mehr oder weniger, worüber du nachdenkst.” (Eric Schmidt).