liminal experienceBewegung ist da

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Anish Kapoor, 1954 in Mumbai, Indien geboren, ist zeitgenössischer Bildhauer und Künstler. Er lebt und arbeitet in London. Kapoors Werke bestehen oft aus klaren, geschwungenen Formen, monochrom und hell in der Farbigkeit. Die Intention vieler Arbeiten ist es den Betrachter durch Groeße und klare Formensprache zu fesseln, oder zum Beispiel durch reflektierende Flaechen zum aktiven Teil der Installation werden zu lassen. Die Installation »Tenemos« weißt eine starke Dynamik auf, und gibt der sonst undefinierten Umgebung eine Richtung. Auf Grund der offenen Drahtnetzbauweise wirkt das Objekt trotz einer Groeße von rund 50 Metern Hoehe und 110 Metern Breite sehr leicht, fast schwerelos. Dieser Eindruck wird verstaerkt da die Installation nur an einem Punkt Kontakt zum Boden hat und an einer Seite durch eine Hilfskonstruktion komplett in der Luft gehalten wird. Darüber hinaus weißt die Arbeit Eigenschaften eines Kathenoids, dem Rotationskoerper einer Kettenlinie auf. Die zwischen zwei geneigten geometrischen Kreisen gespannte Drahtseilstruktur bildet eine Minimalfläche.

Die Marzahner Promenade ist von Außen kaum wahrnehmbar. Undefinierte Eingangsbereiche und zergliederte Flaechen erschweren die Orientierung. Neben den undefinierten Schwellenbereichen an den Grenzen des Gebietes finden sich auch im Inneren Ueberganssituationen. Die innere Grenze zwischen belebtem und unbelebtem Teil der Promenade, das heißt die zentrale Schwelle im Areal, liegt westlich des zukuuenftigen Marktplatzes. Aktuell wird mit diversen Projekten versucht, das negative Image Marzahns als ruueckstaendiger Plattenbaubezirk nach Aussen hin zu verbessern. Eine nachhaltige Veraenderung der wohnlichen und sozialen Qualitaeten kann jedoch nur von den Bewohnern selbst ausgehen. Zentrale Aufgabe ist es daher, einen Rahmen zu schaffen, der zur Reflektion eingespielter Ablaeufe sowie zur eigenstaendigen, aktiven Raumnutzung anregt und hilft diesen bewusster wahrzunehmen. Durch das monotone Wohnumfeld ist die Hemmschwelle der Bewohner in Bezug auf eine selbstbestimmte Raumnutzung ausgepraegt. Die erweiterte Auffassung des Schwellengedankens durch die Hemmschwelle fungiert daher auch als Grundlage des Endentwurfes.

Eine »Liminal Expericence« ist eine Grenzerfahrung im weitesten Sinne. In diesen Fall geht es dabei um eine Auseinandersetzung und ein erfahrbar machen von Schwellen, sowohl raeumlichen als auch inneren persoenlichen Grenzen. Das Ueberwinden von Hemmschwellen erfolgt grundsaetzlich in den drei Phasen »Erkennen«, »Auseinandersetzen« und »Ueberwinden«. Um Hemmschwellen zu uueberwinden ist Aktivitaet notwendig, die Bereitschaft, sich vom alten Standpunkt weg zu bewegen und auf Ungewohntes einzulassen. Es resultiert eine Oeffnung von Innen nach Außen. Ausgewaehlte Punkte des Areals werden durch das Visualisieren von Bewegungsmustern mittels Farbspuren signalwirksam markiert. Dabei wird zusaetzlich die unausgewogene Raumnutzung an den jeweiligen Orten deutlich. Es wird gezeigt, dass Bewegungs- und Aktivitaetspotential in Marzahn potentiell bereits vorhanden ist und lediglich erkannt und gelenkt werden muss um nachhaltige Aenderungen herbeizufuehren. Die Menschen vor Ort werden angeregt sich aktiv zu beteiligen und durch eigenes Handeln die Umgebung bewusster wahrzunehmen. Die Aktion stellt damit einen Rahmen zum Hinterfragen der eigenen Position dar. Mit der Aufforderung zur Teilnahme werden die Menschen in der Ueberwindung innerer Hemmschwellen gefordert, da sie sich spontan auf etwas Neues einlassen muessen. Zeitgleich wird ihnen als ausfuuehrende Partei Vertrauen und Verantwortung uuebertragen: »Ihr lebt hier, ohne Euch geht es nicht«. Durch farbliche Unterteilungen der Spuren werden die entstehenden Bewegungsmuster weiter differenziert. Es entstehen fl üchtige Informationsgrafi ken, welche je nach Datum und Tageszeit, Ausfuuehrungsdauer und Ortswahl anders ausfallen. Neben einer optischen Analyse der Laufwege einzelner Personengruppen zeichnet sich auch ein Bild ihrer Bereitschaft, sich auf die Aktion einzulassen. Im Umkehrschluss entsteht auch durch die Verweigerung der Teilnahme eine inhaltliche Aussage in Bezug auf das Bewusstmachen von Schwellen. Diese wird sichtbar, wenn durch ein Ausschuuetten der abgelehnten Farbpaeckchen die Schwelle an den Startpunkten immer groeßer wird.