kommunikationsnetz berliner mauer

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1. Konzept des Projekts
Keine Kommunikation ohne realen Raum. Sie kann nur stattfinden, wenn sie eine sinnlich wahrnehmbare Gestalt annimmt, und sie muss sich von einem Ort zum anderen bewegen können; sie braucht Medien und Apparate für die Übermittlung und sie braucht körperliche Organe, um überhaupt etwas senden und empfangen zu können. Im Kern ist Kommunikation immer ein körperlich-räumlicher Vorgang.
Früher gab es dafür nur einen, den physischen Raum, in dem alles stattfand. Aber wie sieht es aus, nachdem der virtuelle Raum, der „Cyberspace“ dazugekommen ist? Physische Räume werden überbrückt, Kommunikationsinhalte in digitale Daten umgewandelt. Was wir im virtuellen Raum empfangen oder senden, um es zu sehen, lesen oder zu hören, sind Informationen, die sich von ihrem unmittelbaren körperlichen Ursprung abgelöst haben. Selbst unseren Körper können wir gegen einen virtuellen eintauschen. In der zweiten Welt der elektronischen Informationen und der digitalen Daten entsteht leicht die Vorstellung, auf den Körper und den realen Raum verzichten und die Kommunikation (und große Teile des eigenen Lebens) ganz ins Virtuelle verlagern zu können.
Dabei werden nicht nur grundlegende Zusammenhänge übersehen, sondern auch die Qualität der Kommunikation kann leiden und eine Beliebigkeit des Austauschs entstehen. Der direkte menschliche Kontakt, Stimme, Gesicht, Berührung, geht verloren, der einzelne sitzt „alleine“ in einem Raum, nur über „communication tools“ verbunden mit seinen elektronischen Gesprächspartnern. Ohne die Vorteile der Datenkommunikation leugnen zu wollen, will dieses Projekt deshalb ein Modell der analogen Kommunikation in den Raum stellen, das das Bewusstsein für die Bedeutung und Qualität der körperlichen, direkten Kommunikation wiederbelebt und die Beziehungen zwischen Individuum, Körper, Raum und Kommunikationsnetzen anders erfahrbar macht.
Das Projekt geht von zwei „alten“ Techniken der analogen Kommunikation aus: dem Dosentelefon und der Rohrpost. Vor Mobiltelefon und E-Mail war das Dosentelefon vor allem ein beliebtes Abenteuerspiel für Kinder, um mit erweiterten Möglichkeiten der Kommunikation zu experimentieren. Es ist ein Modell, wie Fernkommunikation auch ohne Elektrizität und unter Beibehaltung der Dimension der physischen Erfahrung funktionieren kann. Natürlich ist es in Anbetracht der heutigen Kommunikationsmittel hoffnungslos veraltet, es zu nutzen kann aber eine ebenso interessante Erfahrung darstellen wie z.B. das Fotografieren mit einer selbstgebauten Lochkamera statt einer Digitalkamera.
Mit der Rohrpost lassen sich dagegen sogar ganze Kommunikationsnetze betreiben, und im Gegensatz zum Dosentelefon ist sie auch lange als elementares System der Übermittlung von Nachrichten und sogar kleinerer Gegenstände eingesetzt worden und wird es zum Teil auch heute noch. Dabei ist sie meist innerhalb größerer Verwaltungsgebäude installiert, hat sich früher aber auch über ganze Städte erstreckt.
Mein Versuch, das Modell der Rohrpost zu nutzen, um einen neuen Zugang zu den Möglichkeiten und Dimensionen der analogen Kommunikation zu eröffnen, geht von dem Rohrpostsystem der Stadt Berlin aus, das früher das ganze Stadtgebiet durchzogen hat und bis 1963 im westlichen und 1976 im östlichen Teil der geteilten Stadt noch genutzt wurde. Es steht so auch im Zusammenhang mit der Situation einer Stadt, in der Familien und Freunde über Jahrzehnte keinen direkten Kontakt haben oder nur über geheime Wege miteinander kommunizieren konnten.
Als Ort der Installation wurde die Gedenkstätte Berliner Mauer in der Nähe des Berliner Nordbahnhofs ausgewählt. Durch ihre Platzierung auf dem früheren Grenzstreifen, auf dem noch Teile der alten Mauer stehen, soll das unsichtbare Kommunikationsnetzwerk, das die beiden Teile der Stadt miteinander verbunden hat, sichtbar gemacht werden. Möglichkeiten oder Unmöglichkeiten der direkten Kommunikation werden auf neue Weise nachvollziehbar, die Besucher können die Installation selber ausprobieren und sich über die „Grenze“ hinweg miteinander verständigen, allerdings nicht über mit Druckluft versendete Patronen, sondern über die direkte akustische Übermittlung durch die Rohre.
Die Rohre werden dabei durch kleine Löcher in der Mauer, über die Mauer und seitlich um die Mauer herumgeleitet. Die verschiedenen Rohrlinien sollen an unterschiedlich weit entfernten Punkten beginnen und enden. Es entsteht ein Rohrsystem, das wie ein öffentliches Kommunikationsnetzwerk aufgebaut ist. An vielen Stellen finden sich Abzweigungen und Öffnungen. Daneben existieren aber auch "geheime" Rohre, welche nur einen Anfang und ein Ende haben, und über die nur zwei Personen miteinander sprechen können. Diese Rohre lege ich durch die kleinen Löcher, und sie verlaufen eher verwinkelt.
Das Projekt bezieht sich neben dem Verhältnis von digitaler und analoger Kommunikation also auch auf die politische Bedeutung der Kommunikation und auf die Beziehung zwischen öffentlichem und privatem/geheimem Austausch. Das Thema ist für mich auch persönlich sehr aktuell, da Korea immer noch in Nord- und Südkorea getrennt ist.