HomotropismusNature´s Memory

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Der Begriff der Transformation, steht für den Prozess einer Umformung oder Verwandlung. Während einer intensiven Recherche zum Thema begegneten mir Begriffe wie: Material, Zustand, Richtung, Bewegung, Veränderung, Reaktion und Wachstum.

 

Diese Kernbegriffe füllten sich über das Semester immer mehr mit spezifischen Inhalten und nahmen dabei wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung und Gestaltung des Projekts. Die Wachstumsbewegung von Pflanzen wurden zum Ausgangspunkt eines kinetischen modularen Systems, das natürliche Bewegungsmuster und interaktive Technologien verbindet und dabei einen temporären Schutzraum erzeugt.

 

Für den Evolutionsmechanismus von Pflanzen, hat sich der Fachbegriff „Tropismus“ etabliert. So gewinnen Gewächse etwa ihre charakteristische Gestalt durch ihre Krümmungen. Diese entstehen wiederum durch Wachstumsimpulse, welche sich in Richtung eines Reizes wenden. Neben weiteren Faktoren sind es vor allem Licht und Schwerkraft, die die Reize für Wachstum und Bewegung in der Pflanzenwelt setzen. Kern meines Konzepts ist, das Prinzip des Tropismus aufzugreifen und den Reizauslöser, der eine “natürliche” Bewegung auslöst, mit der Interaktion des Nutzers (Mensch, lat. Homo sapiens) zu verknüpfen. Die Verbindung dieser zwei Elemente (Reiz + Bewegung) führte zu dem Titel „Homotropismus“.

 

Die Venusfliegenfalle ist ein Beispiel für eine Pflanze, bei der ein äußerer Impuls direkt zu einem spezifischen Bewegungsablauf führt. Das Interessante an diesem speziellen Pflanzentyp sind die zwei Hauptzustände, die er einnehmen kann. In ihrer passiven, geöffneten Phase befindet sich die Venusfliegenfalle in einem unter Spannung stehenden Zustand, der in Sekundenschnelle in eine aktive, geschlossene Phase wechseln kann. Diese Reaktionsfolgen sind in der Pflanze fest angelegt und werden von externen Signalen ausgelöst. Sobald die Pflanze ihre “Tellereisen” schließt, entsteht ein Raum, der die Beute einschließt und von der Außenwelt abschirmt. Das Projekt greift dieses Modell eines natürlichen Öffnungs- und Schließvorgangs unter anderen, positiveren Vorzeichen auf, indem es für Menschen im Außenraum eine adaptive Schutzfunktion schafft.

 

In einer Forschungsreihe habe ich das „Zug- und Spannungverhältnis“ von Flächen und Volumenkörpern untersucht, mit dem Ziel einer Annäherung und Adaption von organischen Strukturen und Phänomenen. Eine besondere Rolle spielten dabei Formgedächtnislegierungen, die, ähnlich der Venusfliegenfalle, zwei Zustände annehmen können. Diese Bimetalle werden bereits in der modernen Medizin (Implantate und pneumatische Ventile) sowie der Luft- und Raumfahrttechnik (adaptive Änderung von Tragflächen) eingesetzt. Die Idee, dass ein Objekt aktiv seine Form ändert, wurde zum zentralen Element meines Konzepts.

 

 

Konkret standen folgende Punkte im Fokus meiner Projektentwicklung:

- das bionische Prinzip des „Tropismus“, Bewegung in Richtung eines Reizes

- reaktive Raumkonzepte, die sich dem Nutzer funktionell anpassen

- der Einsatz von innovativen Materialien, wie z. B. eines Shape-Memory-Alloy

 


 

 

Die Verbindung der genannten Punkte führte zur Entwicklung eines interaktiven “Laubengangs”, der auf den Menschen reagiert. Unbenutzt erscheint er als Durchgang, der von spalierartig angeordneten Grashalm-ähnlichen Modulen begrenzt wird. Sobald ein Fußgänger von dem mit Sensoren ausgestatteten Gang erfasst wird, beginnen die Module, bereits bervor er sich hineinbegibt, den Weg zu überwölben und ein temporäres Dach zu bilden. Nach dem Verlassen des Akteurs kehren sie in ihre Ursprungsposition zurück.
 

Der Laubengang war ursprünglich als ein zweiseitig begrenzter Weg gedacht, der dem Nutzer das Gefühl der vollkommenen Sicherheit bieten sollte. Weitergehende Überlegungen führten zu einer alternativen Variante, die als einseitige Installation dem Nutzer zwar nicht mehr das Gefühl eines vollkommen geschlossenen Raums bietet, aber immer noch ein schützendes Dach.

 

Der Einsatz, des artifiziellen Naturobjektes in einer Gartenlandschaft, stellt einen spielerischen Bezug zu den Gärten der Renaissance her. Oftmals wurden diese so angelegt, dass Besucher innerhalb eines Gartens die Möglichkeit hatten, einen schützenden Ort aufzusuchen und sich temporär einen Ort der Intimsphäre zu schaffen. In diesem Zusammenhang ließe sich das interaktive Raumkonzept auch in unterschiedlichen Varianten realisieren, so z.B. in radialen Formen oder in Gestalt eines Pavillons.

 

Betrachtet man weiterhin das Objekt zu verschiedenen Tageszeiten, bemerkt man ein spannendes Lichtspiel, dass sich in den Reflexionen des Materials und den entstehenden Schattenbildern entwickelt. Es gab Überlegungen, das Objekt im orientalischen Raum zu etablieren, da Schatten in diesen Breitengraden eine essentielle Bedeutung für das altägliche Leben hat. Ein spannendes Detail in der orientalischen Architektur ist ihre traditionsreiche florale Ornamentik, die sich als Reaktion auf das islamische Bilderverbot entwickelte. Eines der meist aufgegriffenen Symbole ist der Granatapfel, der für Leben und Fruchtbarkeit steht. Für meine Forschungsreihe eigneten sich florale Muster auch gut, um damit in einer abstrahierten Weise Schattenbilder zu generieren.