hareliophillicht leicht luft

intervention 3, Lichtgarten
hareliophil
hareliophil
hareliophil
Intervention 4, Gegengewicht (Tag)
Intervention 4, Gegengewicht (Nacht)
hareliophil
hareliophil
hareliophil
Ausstellung Galerie M
hareliophil
hareliophil
hareliophil

Archigram war eine Gruppe aus sechs britischen Architekten, die zwischen 1960 und 1974 ihre Ideen utopischer Stadtentwürfe in der gleichnamigen Zeitschrift veröffentlicht haben. Zentrale Elemente in allen Entwürfen waren Kapseln/ Ballons/ Röhren, Modularität/ Mobilität, Utopie und die Gleichsetzung der Stadt mit einem lebendigen Organismus. »Walking Cities« (1964) ist ein Entwurf mobiler, an keinen Ort gebundener Stadte, die sich in einer Welt ohne Landergrenzen auf spinnenartigen Beinen fortbewegen und dort niederlassen kann, wo z.B. die Arbeitskraft der ca. 20.000 Einwohner benötigt wird.

Archigram bezieht sich dabei auf die »Wohnmaschine« (1925) von Le Corbusier, dem Vorläufer der heutigen Plattenbauten. Le Corbusier stapelte Wohnungen und verschiedene Einrichtungen des täglichen Bedarfs in einem Gebäude. Archigram geht einen Schritt weiter und macht den Gebäudekomplex mobil. Die nächste Konsequenz ist es, diesen Komplex nach dem PopUp-Prinzip räumlich inaktivierbar zu machen. Um das PopUp-Prinzip mit der Leichtigkeit zu verbinden, die in vielen Archigram Entwuerfen zu finden ist und um möglichst aufwands- und materialeffizient zu sein, bieten sich pneumatische Strukturen an. Pneumatische Konstruktionen sind dünne, temporaer mit Luft gefuellte Hülen. Durch ihre formelle Freiheit und Anpassungsfaehigkeit gehen sie eine Metamorphose mit der bereits vorhandenen »harten« Architektur ein und stehen somit im Einklang mit den lokalen Gegebenheiten. Sie zeigen ihre Umgebung in einem neuen Licht und verfremden diese gleichzeitig.

Die Marzahner Promenade ist von Passivität geprägt. Dabei handelt es sich im wesentlichen um ein gesellschaftliches und weniger um ein städtebauliches Problem. Da unser Auge das Gestaltete nach einiger Zeit adaptiert, ist es sinnvoll die Intervention temporär zu begrenzen. Desweiteren möchte ich mit meinem Entwurf keinen Anspruch auf Allgemeinguültigkeit stellen. Eine Maßnahme, die aus heutiger Sicht als sinnvoll erachtet wird, kann in zwei Jahren aufgrund sozialer wie politischer Veraenderungen schon wieder hinfaellig sein. Jeder sollte seinen eigenen Standpunkt ständig hinterfragen. Das gilt für meine Gestaltung, aber auch für Marzahn. Deswegen ist Selbstreflexion zentraler Bestandteil meines Entwurfs. Selbstreflexion ist ein individueller Entwicklungsprozess. Aus diesem Grund soll meine Gestaltung ein zeitkonzeptlicher Indikator zur Selbstreflexion sein. Gestaltungsgrundlage dabei sind die drei Punkte »Wahrnehmung schärfen«, »Freiräume schaffen«, »Erinnerungen schaffen«. Wahrnehmung schärfen durch wiederkehrende Irritation und Fokussierung. Im Alltag unbewusst ablaufendes soll bewusster erlebt werden. Physische und psychische Freiräume schaffen. Orte für eine positive Erinnerung generieren, welche gleichzeitig Freiraum zum Innehalten und Erinnern geben. Diese Punkte stehen wiederum im Kontext zur Kulisse. Die Kulisse wie z.B. gesellschaftliche und topographische Gegebenheiten beeinflusst meine Gestaltung und meine Gestaltung wiederum die Kulisse. Vergleichbar mit pneumatischen Strukturen, die ihre Umgebung veraendern und von ihr verändert werden. Somit haben die Pneus eine formale Funktion innerhalb des Konzeptes.

In Marzahn ist es visuell sehr unruhig. Aus diesem Grund sind die Gestaltungsmitteln so weit wie möglich reduziert. Stilmittel sind die Kugel, Luft und Licht. Die Kugel als natürliches/ unendliches/ organisches Volumen. Luft welche, zusammen mit Licht, zur Existenzgrundlage gehoert und weißes Licht, das neutral ist, aber alle Informationen bereits beinhaltet. Die weiße Lichtkugel als gedanklicher Freiraum und Symbol für Ideen und Faehigkeiten, die in jedem von uns noch im Dunkeln liegen und »beleuchtet« bzw. bewusst gemacht werden koennen. Neue Ideen, die vorhandene Strukturen sprengen und in einem anderen Licht zeigen.