gabzebo valleydas tal der aussichten

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nach der durchsicht der gegebenen materialen aus den vorangegangenen projekten um die neugestaltung der marzahner projekte fasste ich einige kernaspekte zusammen:

  • sozialistischer ansatz noch schwach praesent
  • kein echter boulevard, wenig besucht und genutzt, u.a. durch substitut eastgate
  • nach wie vor hoher identifikationswert für anwohner
  • gute verkehrsanbindung, schlechte hinführung, fahrraeder verboten
  • kontraere baustile, fehlende stringenz, teilweise überfuellt mit objekten / denkmaelern usw.
  • kuenstliche angelegte niveaus zwischen straße und fußgaengerzone
  • freizeitforum hat gutes angebot, aber schlechte außenarbeit und technischen nachholbedarf
  • ueber 1,5 km spannweite ohne belohnendes erlebnis RAUMKUENSTLER: FELICE VARINI

 

Felici Varini geboren 1952 in locarno, schweiz. lebt und arbeitet seit 1978 in paris. wie auf seiner website varini.org akribisch dokumentiert, experimentiert varini seit den siebzigern mit der gemalten perspektive im raum. auf allen maßstäben werden simple geometrische muster an unterschiedlichste architektur projiziert und temporaer fixiert. felice varini sieht sich als maler, er veraendert oder schoepft nie den raum, den er als leinwand benutzt. es geht um den „vantage point“ und die realitaet. in allen interviews erklaert er, dass er weder an gott noch inspiration glaube. dass er nur die moderne kunst weiterentwickeln will, und das auch jeder andere koennte. er entwickelt jedes motiv vorort im einklang mit der architektur. varini sieht sich in der tradition moderner kunst, die ihren grad der evolution an ihrer abstraktions-ebene misst. durch die dreidimensionalitaet beschreitet er somit die naechste ebene. er wurde 2001 mit dem marcel-duchamp-preis ausgezeichnet. das buch zur kunst: ‘point of view‘, 2004, lars müller verlag, 240 seiten. hardcover, 45 euro ich habe varini gewaehlt, weil ich mich im sommer schon zufaellig mit der projektionsthematik beschaeftigte (norm, freies projekt) und generell gern die grenzen zwischen den dimensionen erprobe. der gestalterische ansatz dieser art von intervention ist nicht nur inspirierend als auch hochmodern im hinblick auf bedingungen und erwartungen im oeffentlichen raum.

felice varini beweist mit seinem umfangreichen opus bereits, wie unerschoepflich sein simples projektionsprinzip in der anwendung ist. dennoch schraenkt er sich bewusst gegenueber mitteln ein, die ueber die formlose oberflaechengestaltung hinausgehen. ungeachtet der zwangslaeufigen verunreinigung des konzeptes erforschte ich eben jene erweiterung in andere dimensionen. beim entwerfen beispielhafter szenarien fiel mir auf, dass man unvollstaendige ergebnisse in kauf nehmen musste, wenn man eine arbeit nach varini ueber den rand der architektur auf natur oder gar himmel richtete: den himmel kann man nicht abkleben. dabei enstand die idee der schrittweisen aufloesung einer projektion in raeumliche gebilde, die am ende die reine extrusion des motives ergibt: aus kreisring wird zylinder. aus fehlendem kreissegment wird himmelsstück, angelehnt an boden und fassaden. diese erweiterung führte zu voellig neuen grundsätzen und auchfragen. wie tief sollte ein motivsegment extrudiert werden? wo beginnt bzw. endet sie? was geschieht mit der urspruenglichen kulisse durch solche neu entstehenden „raeume“? um das erweiterte „varini-prinzip“ an der kulisse der marzahner promenade zu erproben, habe ich beispielhafte motive und standpunte ausgewaehlt und die promenade in 3d nachgebaut. die grafischen elemente eignen sich den raum nicht nur durch ihre kontinuierliche markierung der kulisse an, sondern auch durch die verkoerperten himmelsstücke, die neue raeume aufspannen. natuerlich ist der entwurf utopisch, es wuerden riesige volumenkörper und farbflaechen zu realisieren sein, die allein schon wegen vegetation und konstruktionsfragen undenkbar waeren. was der entwurf aber anschaulich macht, ist, dass die kulisse der marzahner promenade ein spannendes ausgangsmaterial (bzw. eine „leinwand“) für diese art der bespielung und diese bespielung auch für eine art der signalwirkung geeignet ist.

REVOLUTION MARZAHN ... lautete der vorlaeufige titel meiner oeffentlichen zwischenpraesentation, auf den ich schließlich verzichtete. der entwurf thematisierte ein utopisches manifest, dass ich aus meinen gestaltungstheoretischen ueberlegungen und den theorien erich fromms zusammengefasst hatte: das sozialkulturelle system der marzahner promenade muss abgeloest werden. die raumgestaltung steht im zeichen des neuen systemideals und gibt den anstoß zur realisierung dieses ideals, die nur von der gesellschaft selbst zu ende gebracht werden kann. das ideal ist eine selbstbestimmte, humane, individuell seelisch gesunde und gemeinschaftlich agierende gesellschaft. anhand der aufgabenstellung war nichts falsches daran, nach einer neuordnung der marzahner situation zu streben. allerdings distanzierte ich mich im nachhinein von dem anspruch, ein dogma zur „heilung des promblemkindes“ zu forcieren und mich so ueber die schicksale der einzelnen zu stellen. nach wie vor bin ich der meinung, dass gestaltung diskursiv und durchdacht angelegt sein sollte, statt nur die erwartungen zu erfuellen und die medial betriebene massenbetaeubung zu unterstuetzen. wie jede andere einflussnehmende instanz muss sie sich ja aber sowohl im gesamtkontext rechtfertigen koennen als auch vor ihren vermeintlichen opfern verantworten. die weitere entwicklung meines entwurfes blieb also bei der ausdifferenzierung einer abstrakten und temporaeren rauminszenierung, die mit sublimen details anstoß zur selbstreflektion und aktiven teilnahme an der wiederherstellung einer oeffentlichen gemeinschaftskultur - im sinne eines angebots oder experiments, dass je nach fruchtbarkeit im geiste der bewohner seine triftigkeit unter beweis stellen wuerde. nur eine dargebotene „option auf revolution“ mit zu fuellenden zielfeldern. die stichworte des ausdifferenzierten konzeptes lauten gazebo und relikt. beide verfeinern den abstrakten ansatz varinis mit hinblick auf die beduerfnisse der promenade: individuelle ortsidentitäten und die sogwirkung eines erlebnisparcours. mit hinblick auf ein fehlendes zeit- und konstruktionskonzept ist der entwurf jedoch als unvollstaendig zu betrachten.