Denkende Ressourcen

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Die westliche Industriegesellschaft verdankt ihren Aufstieg den fossilen Ressourcen Kohle und Öl. Doch galten diese einst als positive, treibende Entwicklungsfaktoren, stellen sie sich nun als Gefährdung für die globale Zukunft heraus. Die Emission von Kohlendioxyd hat zu einer Verkettung von Prozessen geführt, die drohen, unsere Umweltbedingungen unumkehrbar aus dem Gleichgewicht zu bringen, mit Folgen für die Erde als Ganzes. Es ist also dringend nötig, ihren Verbrauch zu drosseln – eine Erkenntnis, die zwar in der öffentlichen Meinung weitgehend angekommen ist, nicht aber bei Konsumenten, Industrie und Industriepolitik. Es gibt zaghafte Schritte hin zu einem ressourcenschonenderen Lebensstil, in vielen Bereichen passiert jedoch gar nichts, und die Schwellenländer haben erst einmal einen hohen  wirtschaftlichen und industriellen Nachholbedarf.
Die zukünftig wahrscheinlich umkämpfteste Ressource wird Wasser sein, neben fruchtbaren, unverseuchten Böden, sauberer Luft, intakten Ökosystemen. Vor allem beim Wasser zeigen sich die Auswirkungen des Öls im größten Maßstab: Polkappen- und Gletscherschmelze, sintflutartige Regenfälle in Verbindung mit verheerenden Orkanen, Flutkatastrophen und das drohende Untergehen ganzer Landstriche durch den steigenden Meeresspiegel, auf der anderen Seite Trockenheiten, Dürreperioden, Wüstenbildung. Daraus folgen wieder Hungerkatastrophen und Epidemien, Zerstörung von Infrastrukturen und ganzen Wohn- und Industriegebieten, großflächige Kontaminierungen und schließlich massenhafte lokale und globale Spannungen, die außer Kontrolle geraten.
An diesem Punkt kommt eine andere Ressource ins Spiel, die auf diese „natürlichen“ Entwicklungen (wenn man einmal das massenhafte Streben nach Wohlstand dazuzählt) Einfluss nehmen kann: das Denken. Hiermit ist nicht nur das allgemeine Entwickeln von Strategien, die die Situation umfassend analysieren, kommunizieren und in wirksames Handeln umsetzen, gemeint. Bei der Komplexität der Problematik können erfolgreiche Lösungsansätze nur mit Hilfe hochentwickelter Rechenmaschinen gefunden werden. Aus diesem Ansatz ergibt sich die Konzeption des Pavillons. Erdöl und Wasser werden als tatsächliche Materialien aufgegriffen. Das Denken findet sich in der Funktion des Pavillons wieder durch Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen.

Ein über den Köpfen der Besucher schwebendes, gewundenes Muster aus recycelten PVC-Transparentschläuchen, getragen von einem segmentierten Trägergerüst. Ein offener Raum, bei dem erst im Inneren die Überlagerung der drei horizontalen Ebenen ins Auge fällt. In zwei Kreisläufen wird Öl und Wasser in abwechselnden Segmenten durch die Schläuche gepumpt. Der ganze Raum ist in Bewegung, es entstehen ständig neue Kombinationen und Muster aus den kontrastierenden länglichen Segmenten, die sich z.T. ruckweise, z.T. gleichmäßig fließend und in unterschiedlichen Geschwindigkeiten durch das Schlauchsystem schlängeln. Ein lebendiges Bild von miteinander zusammenhängenden Prozessen, aber auch eine Abstraktion, die visuell an Morsezeichen erinnert oder an Computercode.

In Anlehnung an den Übergang der vergangenen Öldekade zum 21. Jahrhundert in dem digitale Information Grundlage für den Bestand der Gesellschaft ist, sind die aus dem herkömmlichen Ausgangsmaterial Öl produzierten PVC-Schläuche mit der sinnbildlichen Form der heutigen, digitalen Welt, den Bits, bespielt. Mit dem simplen Grundprinzip des An und Aus’ werden heute versucht komplexe Probleme durch Rechenmaschinen zu lösen. Diese Denkapparate, als Erweiterung der Fähigkeit komplex zu denken, bestimmen heute den Rhytmus und das Tempo für das Denken mit. Die zwei durchgängigen Schlauchsysteme werden als ein vollständig analoges Display genutzt und illustrieren den zeitlichen und inhaltlich typischen Verlauf aktuell geschehender Veranstaltungen. ((Im Prozess der Verdichtung oder Lichtung der Bitfolge entsteht jedoch nicht nur der Bezug zur tatsächlichen und problembezogenen Zeit sinnvolle Gedanken zu fassen. Ebenso bildet sich ein umschreibendes Diagramm von Gedanken ab. )) Im Ausgangszustand, vor Beginn einer Veranstaltung, bildet sich eine (gedankliche) Unordnung ab. Dargestellt durch schnelle, unsymetrische Abfolge und Bewegung der “Bits”. Diese ordnet sich bei Beginn einer Veranstaltung zu einer Regelmäßigkeit durch  kurz hintereinander laufender Bits in langsamer, gleichbleibender Geschwindigkeit, die die Vielzahl, aber zielgerichteten, neuen Gedankenschübe symbolisiert. Im weiteren Verlauf formen sich vollständigere Gedankengänge durch Auflösung der Vielteiligkeit ab. Größere Segmente, fähig ganze Kurvenradien zu beschreiben durchlaufen das Geflecht. Gen Ende einer Veranstaltung,  wird eine mit dem zweiten Schlauchsystem geformte Gedankenfigur symbolisch nachgezeichnet. Diese steht still und ist am Ende des Denkprozesses an gleich bleibender Stelle des Geflechts klar ersichtlich. Sieben verschiedene, von verwundenen Möbiusbändern abgeleitete Formen bilden die symbolischen Gedankenfiguren die für die Inhalte und Denkprozesse der  vorort geschenden Veranstaltungen stehen. Für je eine Veranstaltung wird eine Form ersichtlich. Durch das simultane erblicken und gedankliche nachvollziehen eben dieser  soll ein späteres Erinnern und Verinnerlichen der Inhalte verbessert werden.