omnipräsent aber unsichtbarräumliche darstellung wissenschaftlicher phänomene

„...ich muß sagen, es gibt eine sichtbare und eine unsichtbare Welt. Zur unsichtbaren Welt gehören die nicht wahrnehmbaren Kraftzusammenhänge, Formzusammenhänge und Energieabläufe; gehört auch das, was man gewöhnlich das Innere des Menschen nennt.“
- Joseph Beuys im Gespräch mit Heiner Bastian und Jeannot Simmen, 1979
 
In jedem Augenblick unseres Lebens sind wir von Dingen umgeben, die wir nicht sehen können. Konstant laufen Prozesse ab, die wir nicht wahrnehmen können. Seit langem versucht der Mensch, diese verborgene Welt sichtbar zu machen – teils auf der Suche nach Wissen und Erkenntnis, teils auch einfach zur Betrachtung und Unterhaltung. Denn durch den Prozess dieser Sichtbarmachung, eröffnen sich dem Betrachter neben neuen Einsichten in die Struktur seiner Umwelt auch Welten von vorher unbekannter und unwirklich erscheinender Anmutung. Im Mittelpunkt dieses Wintersemesters stand das Problem der Sichtbarmachung wissenschaftlicher Phänomene, die für den menschlichen Betrachter generell nicht wahrnehmbar sind. Diese unbeobachtbaren Phänome können aus den Bereichen der Physik, Chemie, Medizin oder Biologie stammen. Sie können für die Betrachtung zu klein sein, wie ein Virus oder ein Atom, sie können aber auch unsichtbar sein wie Röntgenstrahlung oder Magnetismus, oder sie können aufgrund ihrer zeitlichen Dimension nicht wahrnehmbar sein, wie das Wachsen eines Baumes, evolutionäre Prozesse oder die Entstehung eines Sonnensystems.
 
„Willst du das Unsichtbare fassen, dringe, so tief du kannst, ein - in das Sichtbare.“
- Max Beckmann zitiert die Kabbala in einem Redemanuskript New Burlington Galleries, London, 1938