zwischen spektakel und desasternaturgewalten als raumerfahrung

zwischen spektakel und desaster
zwischen spektakel und desaster
zwischen spektakel und desaster
zwischen spektakel und desaster
zwischen spektakel und desaster
zwischen spektakel und desaster
zwischen spektakel und desaster
zwischen spektakel und desaster
zwischen spektakel und desaster
zwischen spektakel und desaster

Oft liest man in den Nachrichten von Naturgewalten, die
katastrophale Auswirkungen auf ihre Umwelt haben. Ob das Erdbeben in Haiti oder der Tsunami in Indonesien, die Liste ist lang. Die Grenze zwischen Naturspektakel und Naturkatastrophe ist schnell überschritten. Aus der Ferne wirkt eine Riesenwelle noch beeindruckend und imposant, aus nächster Nähe gleich ganz anders. Wie lässt sich dieser scheinbare Widerspruch, dessen Ursprung in der Dimension und der räumlichen Distanz begründet liegt, begreifbar machen?  
 
Im Mikrokosmos des Dioramas lassen sich große Dimensionen und Kontexte vereinen und können diese auf einer für den Betrachter zugänglichen Ebene fassbar gemacht werden. Mit seinen modellierten Landschaften und bemalten Hintergründen erhob es lange Zeit den Anspruch, ein genaues Abbild der Wirklichkeit zu sein. Doch erst durch die Interaktion mit dem Betrachter und dessen Vorstellungsvermögen löst sich das Diorama aus seiner Starre und lässt es zu einem Stück Realität werden.

Die Ausstellung „Zwischen Spektakel und Desaster  – Naturgewalten als Raumerfahrung“ nimmt das Diorama als Raumkonzept auf und zeigt die gewaltigen Phänomene der Natur in begehbaren Szenarien. Sie macht die unfassbare Kraft der Naturelemente für den Menschen erlebbar und lässt ihn in eine andere Welt eintauchen.
Fazit der Raumanalyse

Durch die Klassifizierung der Dioramen/Panoramen wurden die räumlichen Ansätze und deren Möglichkeiten verdeutlicht.
Es stellten sich drei Ansätze zur Auswahl: das Diorama als Ausstellungsstück, das Rundumdiorama und der Ausstellungsraum als Diorama.

-> Konsequenzen für den Entwurf:
Die Chance des Dioramas ist die räumliche Präsenz des Dargestellten und die Möglichkeit der Verwendung realer Exponate. Um die Wirkung dieser Eigenschaften bestmöglich zu nutzen, habe ich mich dafür entschieden, die Dioramen als begehbare Rauminszenierungen zu gestalten. Die Besucher befinden sich mitten im Geschehen und erleben das Diorama auf sehr eindrucksvolle Weise.  

Fazit der inhaltlichen Auseinandersetzung

Das Diorama ist inhaltlich sehr stark an die Darstellung von Landschaften im konkreten Sinn gebunden. Deswegen macht es Sinn, sich auch thematisch darauf zu beziehen.

In den anfänglichen Museumsdioramen des ausgehenden
19. Jahrhunderts spielte naturkundlich und geografisch Unbekanntes eine bedeutende Rolle. Die Zeit war vom Ausgang des Kolonialismus, der Erdvermessung und des Darwinismus geprägt. Dies hat sich heute geändert. Die Ferne ist immer alltäglicher geworden und die Biosphäre wurde entmystifiziert.
Die heutige Naturwissenschaft in der öffentlichen Debatte dreht sich vor allem um globale Naturereignisse, den Klimawandel und dessen Folgen.

-> Konsequenzen für den Entwurf:
Um die Thematik der Landschaftsinszenierung beizubehalten und diese in einen relevanten Bezug zur Gegenwart zu stellen, sollen sich die Dioramen mit dem weltweit immer häufigeren Auftreten von extremen Naturphänomenen auseinandersetzen. Da Naturphänomene an sich keine zwingenden Auswirkungen auf den Menschen haben und diese deswegen zwar als Spektakel genossen werden können, jedoch körperlich nicht wahrnehmbar sind, sollen die extreme Varianten dieser, die Naturkatastrophen, in für die Besucher betretbaren Räumen erlebbar gemacht werden.
Der Schwerpunkt soll dabei auf der räumlichen Erfahrung der Besucher liegen. Um die Phänomene authentischer zu vermitteln, soll auf direkte Analogien und Materialen zurückgegriffen werden.
Die Ausstellung besteht aus mehreren Großdioramen, die der Besucher durchlaufen kann. Jedes einzelne repräsentiert eine andere Naturkatastrophe.

Die Dioramen
Die Rauminszenierungen beziehen sich formal und inhaltlich auf naturwissenschaftliche Dioramen des ausgehenden 19. Jh./der ersten Hälfte des 20. Jh., bilden jedoch gezielte Kontraste und mischen die traditionellen Darstellungsformen mit unterschiedlichen Mitteln der modernen Rauminszenierung.

Formal setzen sie sich wie ihre Vorbilder mit der realen Abbildung von Landschaften auseinander, setzen echte Exponate in einer künstlichen Museumslandschaft zu einem komponierten Gesamtbild zusammen und entführen die Besucher zu weit entfernten Orten. Anders als die gewöhnlichen Museumsdioramen jedoch, ist das Diorama nicht Teil des Raumes, sondern der Raum selbst. Der Besucher kann es durchlaufen, spüren, riechen, sehen, erleben. Die Rauminszenierungen sind auf Interaktion angelegt oder auf die Begehung durch den Besucher ausgerichtet und lassen sich erst beim Durchschreiten in Aussage und Inhalt erschließen.

Inhaltlich haben sie im Vergleich zum klassischen Diorama nicht mehr zum Ziel, Ausstellungsstücke zu kontextualisieren und möglichst nahe an der Darstellung einer bildlichen Wirklichkeit zu liegen, sondern stellen Exponat und Rauminszenierung auf dieselbe Ebene, um naturwissenschaftliche Begebenheiten subjektiv erfahrbar zu machen. Sie bilden kein idealisiertes Stillleben eines real existierenden Ortes, sondern zeigen Zeitabläufe eines universalen Phänomens.
Die Räume
Die Dioramen sind in sechs quadratischen Räumen mit drei unterschiedlichen Höhen untergebracht. Die Ein- und Ausgänge befinden sich an der Rauminszenierung ausgerichteten Positionen auf zwei gegenüberliegenden Seiten. Durch diese Positionierung und die Konzipierung des Raumes entsteht eine vorgegebene Laufrichtung, die durch die quadratische Grundfläche jedoch nicht zu stark in den Vordergrund gerät und ein Umherwandern oft ermöglicht.
Durch die anonyme Form wird ein Rückschluss auf den möglichen Inhalt nicht möglich. Dem Besucher erschließt sich der Inhalt erst beim Begehen des Raumes. Nach dem Verlassen finden sich ausgewählte zusätzliche Informationen zur eben dargestellten Naturkatastrophe.

Die Ausstellung
Die Räume werden in einem großen Ausstellungsraum in linearer Abfolge begangen. Dabei befinden sich diese auf drei unterschiedlichen Erhöhungen und sind durch Brücken miteinander verbunden. Der Ausstellungsraum ist in Nebel gehüllt und versetzt die Besucher in einen unwirklichen, immateriellen Raum. Dadurch werden neutrale Orte zwischen den Räumen geschaffen, um ein intensives Erleben der Einzelräume zu verstärken. Durch die Brücken gelangen die Besucher sicher und zielgerichtet von einem Raum zum nächsten.  
Vor dem Betreten der Ausstellung sowie nach jedem Raum und im Ausgangsbereich befinden sich Informationen zur Ausstellung.

Verortung
Veranschaulicht wird das Prinzip der Ausstellung in den Räumlichkeiten einer Industriehalle der vorletzten Jahrhundertwende. 
Dioramaräume

Die begehbaren Diorama-Installationen befinden sich in sechs Räumen mit einer Grundfläche von 8x8 m. Diese haben eine Höhe von 5 m, 6,5 m oder 8 m, je nach Art der Inszenierung. Die Ein- und Ausgänge befinden sich an zwei gegenüberliegenden Seiten. Ihre Position variiert je nach Inhalt.
Im Anschluss befindet sich ein Überbau mit Informationen zum eben Gesehenen. 
Informationsbereiche

Um ein ganzheitliches Abtauchen in die Welt des jeweiligen Diorama zu ermöglichen, bekommen die Besucher vor dem Betreten keinen Hinweis darauf, was sie im Inneren erwartet. Dort steht das Erleben der Inszenierungen im Vordergrund.
Nach dem Verlassen treffen die Besucher auf eine Grafikwand, auf der sie eine typografische Einordnung des soeben Gesehenen ins aktuelle Zeitgeschehen finden.

Im Anschluss an den letzten Raum der Ausstellung finden sich weiterführende Informationen zu Aktualität, Vorkommen und Hintergründen von Naturkatastrophen.
Allgemeine Informationen zur Ausstellung befinden sich im Eingangsbereich vor Betreten der Ausstellungshalle.
Die Dioramaräume im Kontext

Um die Unabhängigkeit der räumlichen Welten der Dioramen zur Außenwelt zu unterstreichen, befinden sich die Räume in unterschiedlichen Abständen zum Boden der Halle.
Die Räume sind über Stege miteinander verbunden, über die die Besucher von einem Raum zum nächsten gelangen.

Anordnung in der Halle
Die Räume sind linear in der Halle angeordnet. So durchläuft der Besucher die Ausstellung in vorgegebener Abfolge.
Die Anordnung der Räume zueinander resultiert aus der Position der Ein- und Ausgänge.  

Atmosphäre
Der Ausstellungsraum ist in Nebel gehüllt und versetzt die Besucher in einen unwirklichen, immateriellen Raum.
Er schafft neutrale Zwischenräume und stellt ein Bindeglied zwischen den verschiedenen Elementen der Rauminszenierungen dar.
Der Nebel trennt die Dioramen noch stärker von der alltäglichen Welt und lässt so eine stärkere Auseinandersetzung der Besucher mit den Dioramen zu.
Die Lichter der Ausstellungsräume scheinen aus den Ein- und Ausgängen und bringen so unterschiedliche Farbtöne und Stimmungen in den Außenraum.