raum expeditionen

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"Mein Blick ist nach oben gerichtet. Ich liege auf dem Rücken im Bett und betrachte die weiße, weit entfernte Decke, getragen von Wänden, deren massive Anwesenheit ich in sicherer Entfernung spüre. Die Wände reden, alles scheint mit mir verbunden, das Licht entspringt meinem Laken oder vielleicht mir selbst. Es ist warm und unheimlich, ich bin allein. Je mehr ich mich abwenden möchte, desto stärker fordert der Raum eine Verbindung. Das Weiß ist ein tiefes Dunkel gleich einer Vollmondnacht. Verwandelt und klar sichtbar, aber seiner Greifbarkeit beraubt, definiert sich die Gegenständlichkeit."

Las Vegas - Berlin - Los Angeles

'RaumExpeditionen' ist der Versuch, Raumerfahrungen und die -
Visualisierungsmöglichkeiten von Raum in einer mir bekannten und
einer fremden Umwelt zu untersuchen und zur Diskussion zu
stellen.

Während sich die drei Teilbereiche Clearing Dust, Human Nature,
Private Setting auf jeweils eine der oben genannten Städte beziehen,
beschäftigt sich Tomorrowland Now mit Gemeinsamkeiten von Las
Vegas und Los Angeles.
Zwei vorgelagerte Exkurse -'Fotografie und subjektive Wirklichkeit'
und 'Zur Ästhetik von Atmosphäre'- bilden den thematischen
Rahmen für meine Arbeit.

Clearing Dust
Las Vegas

Noch vor hundert Jahren war Las Vegas eine Ansammlung von eini-
gen Baracken und Weideflächen um eine kleine Oase inmitten der
ansonsten kargen Wüstenlandschaft. An die Anbindung an das
Eisenbahnnetz 1905 schloss sich schon ein Ausbau des Dorfes an.
Da Überschwemmungen das weitweg gelegene, aber dennoch betrof-
fene Los Angeles und dazwischen liegende kalifornische Siedlungen
und Agrargebiete bedrohten, wurde 1931 mit dem Bau des Hoover-
Staudamms begonnen. In diesem Zusammenhang wurden Massen an
Arbeitskräften angeheuert. Getrennt von ihren Frauen und als Aus-
gleich und Ablenkung zu der knochenharten Arbeit entstanden Bars,
Spielhallen und Freudenhäuser. Noch in der heutigen Zeit dient der
als Bade- und Wassersportparadies genutzte Stausee als Wasser-
reservoir für die Stadt Las Vegas und stellt dadurch ihre ultimative
Lebensgrundlage dar.

Die Parkgarage steht im Fokus der Fotoserie 'Clearing Dust'. Als
Durchgangsort, abgewandt vom Strip, dem Hauptaktionsort der
Stadt Las Vegas, spielt dieser Raum eine eher unbedeutende Rolle.
Funktionalität steht im Vordergrund, die beige-weiss gehaltenen
Innenräume sowie die Beleuchtung der Parkgarage entsprechen den
allgemeinen Sicherheitsbestimmungen. Die Parkdecks werden in
einer Helligkeit und Farbqualität gehalten, die den Raum vergessen
lassen. Er fällt nicht ins Auge. Der Besucher verläßt sein Fahrzeug
und begibt sich direkt in den für ihn verwandelten Raum, aus seiner
Realität in die realgewordene Fiktion.

Human Nature    
Berlin

Berlin begreife ich als meine Heimat. Wegstrecken lege ich hier
grundsätzlich zu allen Tages- und Nachtzeiten mit dem Fahrrad
zurück. Entsprechend bewege ich mich durch die sichtbare städte-
bauliche Infrastruktur und Architektur, die die Rahmenbedingung
für das Zusammenleben einer Gesellschaft darstellen. Geprägt von
politischen, wirtschaftlichen und architekturhistorischen Prozessen
ist jedes Stadtgebiet unterschiedlich strukturiert und weist eine
Vielzahl von Bauformen und räumlichen Ordnungsmustern auf.
Man sieht sehr deutlich, dass diese Stadt ursprünglich aus mehreren
kleinen Städten zusammengewachsen ist. Sie ist nicht um eine
Zentrum gewachsen, sondern hat sich ihre Multizentralität bewahrt.
Bei Nacht organisieren sich diese Strukturen durch den Einfluß von
künstlichem Licht neu. Die Stadt eröffnet neue Wahrnehmungs-
möglichkeiten, die in der Fotoserie 'Human Nature' der Ausgangs-
punkt sind. Welche Beziehung entwickelt sich zwischen mir, dem
Betrachter, und meinem Beobachtungsgegenstand unter diesen
Bedingungen? Welche Atmosphäre entsteht zwischen Subjekt und
Objekt?
In der Nacht wird das geringfügig existierende natürliche Licht
durch künstliches ergänzt. Die Stadtlandschaft erscheint in insze-
niertem Kunstlicht, welches zum einen zur Ausleuchtung der
öffentlichen Straßen, zum anderen für repräsentative Zwecke an
öffentlichen wie privaten Gebäuden verwendet wird. Quantität und
Qualität variieren je nach Zweck, finanzieller Möglichkeit und dem
gesellschaftlich und kulturell geprägten Verständnis von
Repräsentation.
Meine Erfahrung mit dem Stadtraum hat ergeben, dass die Vermitt-
lung meiner subjektiven Wahrnehmung nicht über die einfache
detaillierte Ablichtung des Sichtbaren möglich ist. Aus diesem
Grund untersucht das Projekt 'Human Nature' eine übergeordnete
Formenwelt.
Die Abstraktion der Stadt wird durch die besondere Aufnahme-
technik ermöglicht, einer Kombination von Langzeitaufnahme und
gleichzeitiger Veränderung der Kameraposition. Die Bilder entfer-
nen sich von dem konkreten, detaillierten Abbilden der Architektur.
Berlin wird zum weichgezeichneten Formen- und Lichtspiel. Das
vermittelte Erscheinungsbild des zusammengefassten übergeord-
neten Objekts bindet das Umfeld mit ein. Es ensteht ein gesamt-
räumlicher Eindruck, der eine Isolation von Einzelgebäuden und
Details verhindert.

Private Setting
Los Angeles

Es ist zweifelsohne bekannt, dass die Sonne den Rythmus der Welt
in mancherlei Hinsicht entscheidend beeinflusst.
Ende des 19. Jahrhunderts, als Los Angeles noch ein kleines
Bauernstädtchen war, hatte sich New York schon im Filmgeschäft
etabliert.
Aus der experimentellen Phase des frühen Films herausgewachsen,
waren Spielfilme, die im öffentlichen Raum gedreht wurden, nur
schwer realisierbar. Die Unberechenbarkeit des Wetters war groß,
die Menge des Tageslichts nicht immer ausreichend, besonders im
Winter, und die Lichttechnik noch nicht weit genug entwickelt, um
eine großflächige künstliche Beleuchtung von Flächen leisten zu
können.
Das Fließband, als ein Zeichen der Moderne, übt mit seinem seriel-
len Ordnungsprinzip seit Beginn des 20. Jahrhundert einen großen
Einfluß auf die Organisation von Produktion und damit automatisch
auf die Gesellschaft aus. Im Zentrum dieser Entwicklung steht die
Idee der maschinellen Integration gesellschaftlicher und natürlicher
Ressourcen zu einem funktionellen Ganzen. Ihren systematischen
Höhepunkt findet theses Rationalitätsstreben im Taylorismus, der
Lehre von der Zergliederung menschlicher Arbeit und ihrer Anpas-
sung an den Takt der Maschine (Los Angeles-Berlin).