Geschlecht der MachtExemplarische Untersuchung zu Politik und Weiblichkeit

Geschlecht der Macht
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Diese Bachelorarbeit ist ein Ansatz sich mit dem historischen Diskurs der Körperkodierung und der Geschlechterverhältnisse zu befassen. Dabei liegt der Fokus auf der Idee der sozialpolitischen Rolle der Frau als Kulturmittlerin im deutschsprachigen Raum, bis einschließlich dem Epochenwechsel zwischen Früher Neuzeit und Moderne. Auf theoretischer Basis werden die verschiedensten Konzepte von Materie, Geschlecht und Macht auszugsweise dargestellt und daraufhin die Konstruktion von Weiblichkeit mittels des weiblichen Körpers als eine Verkörperung politischer Utopien, Debatten und Idealen erläutert. Infolge an diese methodischen Stichproben knüpft die Fragestellung an, wie stark sich die zeitgenössischen Geschlechterkonzepte an einer ständischen Ordnung orientieren.

Ausgangspunkt
Die folgende Arbeit ist ein Resultat, dass seinen Ursprung in dem Seminar zur „Theoriegeschichte der Materie“ von Prof. Dr. Nakas hat. Dort fand, basierend auf etablierten Materie-Theorien, eine erste intensive Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Gender-Theorien statt.
Auszug aus der wissenschaftlichen Arbeit:
Eine These aus dem Sammelband Materie – Grundlagentexte zur Theoriegeschichte ist, dass die unterschiedlichen Wissenschaften in der Antike und des Mittelalters sich stets nah an der Philosophie richteten;  so umschreibt Platon die ‚Frau‘ in seinem Werk Timaios sie sei „[...] als Empfängerin und gleichsam Amme alles Werdens anzusehen.“  Während in diesem Beispiel das Subjekt Frau eine konkrete körperliche Identität illustriert, wird gegenwärtig auf die kulturelle Konstruktion der figurativen Weiblichkeit zurückgegriffen; diese Kategorisierung von männlich und weiblich werde als Produkt einer Wiederholung von Sprachakten verstanden. 
[...] Daran sei aus zeitgenössischer Sicht zu erkennen, dass Materie als stoffliches Produkt einem immateriellen und phallogozentrischen — einem von Männern definiertem und konstruierten — Konzept unterliegt. 
Die Begrifflichkeit der Materie erfährt weiterhin neue Zuschreibungen; so formuliert u. a. Donna Haraway, dass sich der ‚westlich‘ geprägte Mann eine „[...] Herrschaft über all jene, die als Andere konstruiert werden und deren Funktion es ist, Spiegel des Selbst zu sein“ erbaue, welche auf den unterschiedlichsten Dualismen basiere (Geist/ Körper, Kultur/ Natur, männlich/ weiblich, Schöpferin/ Geschöpf, aktiv/ passiv). Von ähnlichen Dualismen ausgehend lässt sich damit Judith Butlers Theorie des ‚performativen Modells von Geschlecht‘ (Männlich- und/ oder Weiblichkeit) verknüpfen; laut ihr habe Materie mehr als eine Geschichte.
Zielgruppe
Dem Projekt liegt ein Erwachsenen-Bildungs Konzept zugrunde. Die kontroverse Thematik (basierend auf der vorhergegangenen Theorie) bringt eine gewisse Komplexität mit sich, die ein seriöses und schlichtes Design fordert.
Erster Raum:
Zentral im ersten Hof befindet sich eine Lichtinstallation, welche an dieser Stelle eine Momentaufnahme und Interpretation der Walhalla darstellt. Dabei, wie auch in den flogenden Räumen, soll auf eine realistische Darstellung von Persönlichkeiten verzichtet werden. Während die Kuration der Walhalla auf Schrifttafeln zurückgreift, um Personen deren visuelle Überlieferung fehlt, zu repräsentieren, wird in diesem Konzept durchgängig eine materielle Verkörperung verwendet. Die Lichtinstallation bildet anhand einer zwanzig Meter langen Spirale die 191 ausgestellten Personen der Walhalla ab. Die darauf radial deformierten Neonröhren stehen für jeweils eine Person; zeichnen das jeweilige Geschlecht durch die Farbwahl (blau = männlich/ rot = weiblich) aus und spiegeln durch die Länge der Röhre das Alter wieder. Die Spirale weist eine Deformation in der Längs-Achse auf, so tritt als Resultat am Ende der Spirale eine verdichtete Darstellung auf. Das gesamte Objekt dient als Beobachtungsmoment einer phallogozentrischen Geschichtsschreibung und Sichtweise. Bei einer Umschreitung der Installation wird zu Beginn, bei einer frontalen Betrachtung ein blauer Kreis wahrgenommen, welcher sich infolge des Umschreitens durch einen anamorphotischen Effekt zerlegt. Von der Rückseite aus entschlüsselt sich dieser Kreis in explosionsartiger weise. Von dort aus wird das Geschlechterverhältnis (1:15) deutlich. Die Lichtinstalltion ermöglicht: auf die Vergangenheit zurückzuschauen, Einsicht in die unterschiedlichen Schichten zu bekommen, Verhältnisse zu verdeutlichen und die Möglichkeit zu einem Perspektivwechsel zu verhelfen.
Zweiter Raum:
Das schmale aber lange Forum weist eine zentrale Durchgangssituation auf und wird mit einer Hängekonstruktion versehen. Innerhalb des Hofes entsteht durch die über-Kopf-Situation ein optischer Raum, welcher von allen Seiten begehbar ist. Weiterhin wird das offene Konstrukt durch ein flaches, barrierefreies Bodenpodest begrenzt. Unterhalb der Decke sind kreisförmig purpurfarbene Neonröhren in einem gleichbleibendem Raster angebracht. Diese stehen metaphorisch für die Kategorien und Raster in denen eine Gesellschaft denkt und unterscheidet; welche in Form eines unsichtbaren Gitters über und in den Köpfen der Menschen schwebt. Unterhalb einer solchen Röhre befindet sich, von der Decke abgehangen – der Geschlechtssymbolik nach – eine Spiralkonstruktion. Ein weißes Lochblech windet sich von Oben nach Unten und gewährt, nicht nur durch seine Semitransparenz, sondern auch durch einen sich durchziehenden Spalt Einblicke in die Innenräume der Konstruktion. In Anlehnung an reale Zustände (siehe Theorie), findet visuell an dieser Stelle eine Uniformisierung durch die gewählten Materialien statt. Die von innen heraus lumineszierenden Spiralen werden durch das Stilelement von Bildsymbolen innerhalb der vorhandenen Struktur aufgebrochen. Auf Augenhöhe befindet sich ein Ring, welcher auf textlicher Basis die unterschiedlichen Kategorien umschreibt.

Dritter Raum - Schlüterhof:
Innerhalb des großen Schlüterhofs ist eine radiale Raumstruktur angelegt, welche eine ähnlich offene Laufsituation des vorherigen Hof aufnimmt. In einem äußeren Ring sind verschieden hohe Wände in einer dreischichtigen Anordnung aufgestellt. Der Aufbau bildet durch die Positionierung der Wände einen optischen Raum, dessen äußeren beiden Wände aus einem Lochblech bestehen; während die innere Wand eine solide Konstruktion aufweist. Die Raum-im-Raum-Situation transportiert auf einer Multi-Medialen und -Materiellen Ebene die kulturellen Hinterlassenschaften historischer Frauen. Dabei sollen die dynamisch angeordneten Schichten auf die Komplexität und Diversität der einzelnen Personen eingehen. Durch die äußere uniformelle Materialverwendung entsteht der Eindruck einer Einheit, welche sich bei einer Durchwegung innerhalb des Systems auflöst. Innerhalb der äußeren Wände sind Objektvitrinen angebracht.
Im Zentrum des Rings befindet sich ein Forum-ähnlicher Aufbau. Zirkular angeordnet sind verschieden hohe Bänke, die zum Verweilen einladen. Auf den nach innen gerichteten Wänden der äußeren Ringstruktur, welche das Purpur aufgreifen, können diverse Themen angeregt und besprochen werden. Sie ermöglichen eine “Frage in den Raum zu stellen” und bieten somit einen Ort der Thematisierung. Das Forum kann von allen Seiten begangen werden und schafft u. a.
eine Nutzung für Vorträge und Dialogsrunden.
 
Die umschriebenen Aufbauten basieren auf einem modularen System, welches sich wunschgemäß zusammenstellen und ergänzen lässt.