dem ort seine sprache

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D E M   O R T   S E I N E   S P R A C H E
Meine Diplomarbeit DEM ORT SEINE SPRACHE thematisiert die vergessene Geschichte der Jugendwerkhöfe der ehemaligen DDR und die von tausenden misshandelten Heimkindern. Das Projekt versteht sich als konzeptioneller Ansatz diese Geschichte in das öffentliche Bewusstsein zu rücken und endlich eine gesellschaftliche Aufarbeitung anzuregen. 
 
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W A N D E R A U S S T E L L U N G 
Eine mehrmonatige Wanderausstellung durch zehn ostdeutsche Städte in der Nähe der 33 historischen Orte soll der breiten Öffentlichkeit einen ersten Zugang zum Thema verschaffen. 
Innerhalb dieser Städte finden die Rauminszenierungen auf hochfrequentierten Plätzen statt, die sich im unmittelbaren Umkreis von heutigen Jugendhilfe-Einrichtungen befinden. Die Ausstellung teilt sich in 5 Stationen mit jeweils einem Themengebiet.
 
 
STATION 1 – System
Die SED hatte das Ziel die DDR-Bevölkerung zu „sozialistischen Persönlichkeiten“ zu erziehen. Um diese Idee durchzusetzen, wurden die Menschen ab dem frühesten Kindesalter systematisch kontrolliert und selektiert. „Opfer des Systems“ konnte dabei nahezu jeder werden. 
 
Was passiert?
Die Besucher laufen durch eine „anonyme Menschenmenge“ aus Porträts. Die abgebildeten Männer, Frauen und Jugendlichen sehen aus „wie du und ich“. Auf Knopfdruck erscheinen Texte hinter den Gesichtern und geben ihre Identität preis: Familienvater oder Heimleiter, vorbildlicher FDJ-Pionier oder „Schwererziehbarer“. Die Rollenverteilung scheint willkürlich. 
Es wird klar: Ein „Opfer des Systems“ konnte jeder werden. Beim Begehen der Station schneiden großen Bildtafeln immer wieder die Wege der Besucher. Sie propagieren das Idealbild der „sozialistischen Persönlichkeit“ und erklären das Erziehungssystem der DDR.
 
STATION 2 – Alltag
Der Tagesablauf im Jugendwerkhof war streng geregelt und immer gleich. Freiräume gab es kaum, sowohl für die Insassen als auch für die Erzieher. Die Jugendlichen blieben im Kollektiv und mussten täglich Sisyphusarbeiten ausführen, während die Erzieher alles zu protokollieren hatten.
 
Was passiert?
In dieser Station werden die Besucher in einer Drehtür „kollektiviert“ und nehmen in ständiger Bewegung am Tagesablauf teil. Die nachrückende Tür drängt zur Eile und verhindert das Weiterlesen aufklappbarer Zeittafeln. Der Rundgang muss dadurch mehrmals wiederholt werden und das Aufklappen der Tafeln wird zur Sisyphustätigkeit.  An jeder Stelle des Rundgangs kann sich der Besucher unzähligen Meldeformulare ansehen, die das Tagesgeschehen aus der Erzieherperspektive minuziös dokumentieren. Der „Kontrollwahnsinn“ wird ablesbar.
 
STATION 3 – Erziehung
Die Erziehung im Jugendwerkhof basierte auf der Demütigung des Individuums mit Hilfe von Strafen. Besonders erniedrigend war der Verlust der Privat- und Intimsphäre durch die permanente Beobachtung. Kontrolle ging nicht nur vom Erzieher aus, sondern fand auch zwischen den Insassen statt. 
 
Was passiert?
Während die Besucher im Raum der Repressalien Informationen zu den Bestrafungsmethoden lesen, spiegeln sie sich von allen Seiten. Jeder wird im Raum erfasst und es entsteht eine Situation des gegenseitigen Beobachtens. Jegliche Privatsphäre geht verloren. Im darauf folgenden Raum der Pädagogik wechseln die Besucher in die kontrollierende Erzieherperspektive und schauen in den Nebenraum ohne selber kontrolliert zu werden. Mit dem Gefühl des Voyeurismus steigert sich beim Besucher rückwirkend auch das Gefühl der Entblößung, da er gerade selbst noch unbemerkt beobachtet wurde.
 
STATION 4 – Reaktion
Auf die unerträgliche Situation im Jugendwerkhof reagierten die Insassen zu Beginn noch mit Rebellion und Fluchtversuchen. Da dies zwecklos war, fielen 
viele in eine „Spirale der Isolation“, in der sie zunehmend den Bezug zur Außenwelt verloren und zum Schluss oft nur noch der Suizidgedanke blieb. 
 
Was passiert?
In einem Spiralgang erleben die Besucher den Isolationsprozess. Am Anfang ist der Gang breit und hell. „Rebellion“ und „Flucht“ werden erklärt. Im weiteren Verlauf schließt sich der Gang und wird schmal und dunkel. Die Besucher verlieren den Bezug nach außen. Gucklöcher in der Wand des Vergessens zeigen analog dazu verblassende Erinnerungen, wie z. B. „Omas Kuchen.“ Der Gang schrumpft unerträglich weiter, „Selbstverletzung“ und „Suizidgedanken“ werden erklärt, bis er endlich im Raum der Isolation mündet. Hier ist der Besucher allein. Töne sind gedämpft. Der ganze Raum ist nur auf einen Punkt konzentriert. Der Blick geht nach oben: ein Lichtspalt in der Decke. 
 
STATION 5 – Umgang
Die Heimzeit hat bei den Insassen tiefe seelische 
Schäden und Angst vor der Erinnerung hinterlassen. Auch die Verantwortlichen haben Probleme mit ihrer Vergangenheit, denn sie können ihre „Taten“ in der DDR aus heutiger Sicht nur schwer rechtfertigen. 
Für beide Seiten bleiben nur „verzerrte“ und „zersplit-terte“ Erinnerungen an ihre Geschichte.
 
Was passiert?
Die Besucher betreten die transparente Raumskulptur und nehmen sofort die optischen Überlagerungen der einzelnen Erinnerungsfragmente wahr. Zusammen mit den diagonalen Formen ergibt sich so aus jeder Perspektive ein anderes Bild. Die Geschichte hat viele Ebenen und wirkt zersplittert und uneinheitlich. 
Im Zentrum der Station steht die Tafel der Gedanken, in der sich die Besucher selbst reflektieren und auf der sie ihre Eindrücke zur Geschichte der Jugendwerkhöfe aufschreiben können. Damit entsteht ein erster Beitrag im gesellschaftlichen Aufarbeitungsprozess.
 
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D E N K M A L
Im Zuge des öffentlichen Aufarbeitungsprozesses werden die 33 authentischen Orte der ehemaligen Jugendwerkhöfe durch Denkmal-Stehlen markiert. Diese sollen die historische Bedeutung der Stätten vermitteln und die Orte miteinander verknüpfen.
 
Das Denkmal aus mehreren freistehenden Stehlen zeigt die Heimkinder des Ortes und greift die Ästhetik der Wanderausstellung auf.  Am Anfang sind es nur wenige Stehlen mit Porträts, da kaum Zeitzeugen bekannt sind. Mit dem Wachsen des öffentlichen Bewusstseins für die
Geschichte der Jugendwerkhöfe werden sich immer mehr Zeitzeugen melden. Infolgedessen nimmt die Anzahl der Fotos und Stehlen zu – das Denkmal wächst mit.
 
Über eine Telefonnummer oder einen QR-Code kann der Besucher sich mit dem Handy kurze Interviews von jedem Heimkind anhören. Alle Zeitzeugen erzählen ihre persönliche Geschichte und geben…
           
                                       DEM ORT SEINE SPRACHE.