Construction de l’AssociationEine Intervention im Möglichkeitsraum

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Der Ausgangspunkt des Projekts war ein Gelände, eine versteckte Brachfläche mitten in Berlin

Schöneberg, die von verschiedenen Personengruppen besucht wurde. Eine unerwartete

Entdeckung, aus der heraus sich ein Gestaltungsprojekt entwickelte, das man auch als erweiterte

Raumerkundung verstehen kann, zunächst als Recherche, später als praktisches Experiment.

Brachflächen sind interessant, weil sie keine definierte Funktion haben und Prozesse sich dort

nach eigenen Regeln entwickeln. Die Natur ist sich selbst überlassen, ebenso wie die Menschen,

die sie ohne Vorgaben und ungeplant nutzen, als Hundeauslaufareal, Abenteuerspielplatz oder

einfach als Rückzugsort. Herauszufinden, was alles dort passierte (und früher passiert war),

bildete den ersten Schritt: Recherche, Spurensuche, Dokumentation der örtlichen Besonderheiten

und Gespräche mit den verschiedenen Besuchern des Ortes. Nach und nach wurden die unterschiedlichen

Ebenen der Nutzung und Bedeutung des Ortes sichtbar.

Um das Potential der Situation erfahrbar zu machen, entstand das Konzept einer räumlichen

Intervention, die sich in den Ort integriert und gleichzeitig etwas Neues, Fremdartiges in ihn

hinein bringt, etwas, das ebenso wenig funktional definiert ist, wie der Ort selbst. Als “Träger”

dieser Intervention sollte ein abstraktes (vielseitig verwendbares) Basismodul dienen, das sich in

Abhängigkeit von Raum und Akteur individuell transformieren lässt. Die Form des Dodekaeders

erwies sich hierfür als besonders geeignet.

Der zwölfseitige Dodekaeder ist einer der fünf platonischen Körper – ein universales Grundelement

der Geometrie. Es ist auch eine Art Miniaturversion der geodätischen Architekturen Buckminster

Fullers, die in ihrer leichten und effizienten Bauweise Konstruktionsweisen der Natur aufgreifen

und gleichzeitig einen abstrakten Gegenpol zu ihr bilden. Die Faszination an der reinen Form

verband sich hier jedoch mit einem pragmatischen Do-it-yourself-Ansatz, denn zur Herstellung

der Objekte wurden lediglich ausgediente, „gefundene“ Fahrradfelgen und Kabelbinder verwendet.

Aus Recyclingmaterialien entstanden bewegliche Körper handhabbarer Größe, deren serielle

geometrische Form sich mit einer Ästhetik des Alltags und des objét trouvé vermischte.

Die Objekte erschienen gleichzeitig seltsam und vertraut.

Im Kontext der Brache fungieren sie selbst wie Akteure, die verschiedene Funktionen und Rollen

übernehmen und mit verschiedenen Assoziationen belegt werden können, z.B. als Wohnkapsel,

Gewächshaus oder Windspiel. Sie erweitern die Situation und die Nutzungsmöglichkeiten des

Raums und lassen ihn zugleich anders und spielerisch erfahren.

Das Projekt entwickelte sich unter Einbeziehung vieler Beteiligter, zum Teil aktiv Beitragender

aus verschiedenen Disziplinen (von Soziologen bis zu Ingenieuren), aber auch der Besucher der

Brache. Tatsächlich lag sein Kern nicht darin, ein gestalterisches Ergebnis zu produzieren,

sondern einen offenen Prozess in Gang zu setzen, der über verschiedene Phasen und auf vielen

Ebenen stattfindet. Exemplarisch werden Möglichkeiten sichtbar, wie durch gestalterische

Interventionen die Aneignung, Nutzung und Neuinterpretation des urbanen Raums gefördert

werden kann.